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Bietigheimer Zeitung, 30.06.1998

Tiefsinniger Querschnitt

Texte und Lieder im Bietigheimer Atelier von Sybille Proksch

Kennen Sie Marie-Dominique Brunet-Unkel? Nein? Das ist schade. Immerhin, seit Samstagnachmittag ist die sympathische und weltoffene Autorin ein bisschen bekannter, da nämlich gab sie vor etlichen interessierten Zuhörern im Bietigheimer Atelier der Künstlerin Sybille Proksch einige ihrer in englischer und französischer Sprache verfassten Werke zum Besten.

Was passiert in der Gesellschaft - früher, heute und in der Zukunft? Das ist die Ausgangsfrage, mit der sich die Autorin von Texten und Liedern, die seit 1976 mehrere Bücher veröffentlicht hat, intensiver befasst. Unter anderem hat Marie-Dominique Brunet-Unkel. Psychologie und Philosophie studiert und Diplome in den Fachbereichen Journalismus sowie Sozialwissenschaften erlangt.

Die gebürtige Französin beobachtet ihre Umgebung, sammelt Eindrücke und setzt diese dann in meist philosophischer Form um. Bewusstsein, sagt sie, sei nicht nur der Unterschied zwischen Mensch und Tier, sondern heiße vor allem: "Mehr sehen als der Durchschnitt". Die Autorin verbindet mit dem Begriff ein Vorausschauen, das Empfangen von Signalen aus einer unsichtbaren Welt, die helfen können Gefahren zu vermeiden.

So sinniert Marie-Dominique Brunet-Unkel beispielsweise in dem Gedicht "L´important et ailleurs" über den Aufbau einer besseren Gesellschaft, vergleicht die Basis einer solchen mit dem Fundament eines Hauses: Beide müssen solide gebaut sein, um auch das Gebäude darauf aushalten zu können.

Dann wieder denkt sie an die Menschen, die umsonst gestorben sind, etwa im Namen von Freiheit, Religion und Fundamentalismus. In diesem Zusammenhang erinnert, die Autorin auch an die Bartholomäus-Nacht oder an die Judenverfolgung. Auch Gedanken über die Relativität von Zeit oder ihre alte Heimat Paris - erst seit kurzem wohnt Marie-Dominique Brunet-Unkel in Bietigheim-Bissingen - fehlen in ihren Gedichten nicht: Zu ihren eigenen Favoriten zählt sie, die als Anerkennung für ihr Schaffen 1978 mit dem Poesie-Preis "Moulin de l´Ecluse" bedacht wurde, das Werk "Question Marks", in dem Fragen gestellt werden, etwa ob es erlaubt sei, ein Mensch zu sein. Und auch "I am" ist ein kleiner Leckerbissen ob der Art, wie hier die Frage nach dem eigenem Ich erörtert wird, wie die Autorin den Gegensatz darstellt zwischen Kind und altem Mann, Engel und Teufel im Menschen.

Insgesamt präsentierte Marie-Dominique Brunet-Unkel am Samstagnachmittag einen tiefsinnigen, aber auch kurzweiligen Querschnitt aus ihren bislang sechs im Grassin-Verlag erschienenen Büchern.