© 2011 Anti-Stress-Zentrum Unkel

[Translate to English:] Brachte eigene Gedichte aus sieben Bänden zum Vortrag: Die Sozial- und Literaturwissenschaftlerin Marie-Dominique Unkel.

Bietigheimer Zeitung, 23.11.2005

Poesie auf den Punkt gebracht

Sozial- und Literaturwissenschaftlerin las Gedichte

Bietigheim-Bissingen (bz). Man mag noch so wenig an energetische Kräfte glauben und im Zeitalter der Wellness-Industrie gedeiht mitunter allerhand an Scharlatanerie. Hin und wieder jedoch begegnet man auch Menschen, die eine gewisse Aura umgibt, die man sich streng wissenschaftlich nicht erklären kann. Zu diesen Menschen zählt Marie-Dominique Unkel.

Gedichte aus mittlerweile sieben Bänden kamen am vergangenen Sonntagnachmittag zum Vortrag. „Isch geh zu lesen jetzt ein bissschen.” kündigt die herzig kauderwelschende Therapeutin an, nachdem sie jeden einzeln begrüßt hat. Eine kleine Runde Interessierter lauscht der Lyrik in dreierlei Sprachen.

Ihre Praxis und die Schriftstellerei zu vereinen, ist der studierten Sozial- und Literaturwissenschaftlerin mit der purpur gerandeten Brille heute ein Leichtes. Vor zwei Jahrzehnten war das noch anders. Da nämlich, vor der Scheidung von Anthonie Unkel, sei sie in zwei Menschen zerfallen. Und genau in dieser Zeitspanne entstanden jene Gedichte, die erst vor drei Monaten ihre Veröffentlichung erfuhren: „d'hier pour aujourdhui” heißt der Band entsprechend „von gestern für heute”.

„Er war ein Genie,” bekennt die 61-jährige über ihren verstorbenen Ex-Mann, doch die Zeit der Trennung war schwierig, was sich gerade in der Lyrik des ersten Teils von „d'hier pour aujourdhui” zeigt. Selten hat sich Persönliches so stark in ihrem literarischen Schaffen konkretisiert.

Neben Persönlichem beherbergt der jüngste Band Unkels universelle Lieder. Ihre Fassung von „My way” liest die Generalistin etwa, oder „L'amitié”, über die Freundschaft, das mit den Worten endet: „Ça ressemble un peu/ A une histoire d'amour.../ Sans histoires” (etwa: „Das gleicht ein wenig/ Einer Liebesgeschichte.../ Ohne Geschichten”). Ein Faible hat die Ausnahme-Therapeutin für besondere Charaktere. Ein Poem beschreibt prophetisch die Taten von Johannes Paul, dem Zweiten („L'homme blanc”). Ein anderes gilt König Ludwig von Bayern und auch Boy George hat sie sich bereits literarisch gewidmet.

Patricia Fleischmann

Originalartikel >>