© 2011 Anti-Stress-Zentrum Unkel

[Translate to English:] Marie-Dominique Unkel ist glücklich in der Enzstadt.

Bietigheimer Zeitung, 18.08.2007

Französische Frauenpower im Schwabenländle

Marie-Dominique Unkel ist Therapeutin für gewichts- und stressbedingte Störungen und gleichzeitig kunstvolle Dichterin. Die kleine, quirlige Französin fand in Bietigheim zu einer befriedigenden, persönlichen Vereinigung beider Beschäftigungen.

„Früher war ich Therapeutin und in meiner wenigen Freizeit schrieb ich Poesie, zeitweise aber schrieb ich hauptsächlich. Ich war in der Vergangenheit immer mehr das eine und das andere vernachlässigte ich dann immer, das machte mich zum Teil sehr unzufrieden”, erzählt Marie-Dominique Unkel. Heute, so bekennt sie, „hat in mir eine Vereinigung der beiden Künste stattgefunden, heute bin ich Marie-Dominique, die Dichterin und die Therapeutin in einem, beides läuft wunderbar zusammen und bedingt sich oft.”

Marie-Dominique Unkels Lebensweg ist ungewöhnlich und zeugt von der Kraft und der Stärke der kleinen Frau. „Diese Frauenpower wurde mir in die Wiege gelegt, ich bin 1944 in Nevers geboren, wo auch Georges Sand, Colette und Coco Chanel herkommen”, sagt sie. Diese drei starken Frauenpersönlichkeiten nahm sich die Französin zum Vorbild. Sie studierte Journalismus, Sozialwissenschaften, Englisch, Literatur und Philosophie in Paris. Dann lernte sie 1965 in Griechenland ihren zukünftigen Mann kennen, einen Psychoanalytiker und C.-G.-Jung-Anhänger. Er kurierte nach einer ganz besonderen, eigens entwickelten Methode vor allem Schwergewichtige. In seiner Therapie vereinigte er östliche Methoden nach Carl Gustav Jung und moderne westliche Heilungswege zu einer energetischen neuen Therapie. Der Holländer zog wegen seiner Frau nach Paris und eröffnete dort seine Praxis. Marie-Dominique Unkel lernte von ihm und arbeitete in seiner Praxis in Paris mit. Die beiden erzielten erstaunliche Erfolge, die Medien berichteten begeistert über die Unkels. Menschen verloren innerhalb weniger Wochen viele Pfunde. Acht Wochen, so sagt die Therapeutin, genügen, um 15 Kilo abzunehmen. Die Therapie funktioniert wie eine Kur. Durch energetische Behandlung wird der Körper so „programmiert”, so Unkel, dass er seine Energie, die er zur Arbeit oder zum Leben braucht, aus dem so genannten Depotfett nimmt.

500 Kalorien dürfen die Patienten laut Plan lediglich essen, verspüren aber keine Hungeranfälle und können auch ganz normal arbeiten und Leistung bringen. „Allerdings funktioniert der 500-Kalorien-Plan nur in Verbindung mit meiner Behandlung”, erklärt Marie-Dominique Unkel. Hinzu kommt eine psychologische Betreuung und Überprüfung der psychischen Störung. „Ich liefere einen Rundumservice für den Patienten”, so Unkel. Ihre Therapie basiert noch heute auf den Erkenntnissen ihres inzwischen verstorbenen Ex-Mannes, der damit auch wissenschaftlich neue Wege ging, die heutzutage längst anerkannt sind.

Viele Preise

Seit dem Alter von zwölf Jahren schreibt die Französin Gedichte. Auch hier heimste sie einen Erfolg nach dem anderen ein. Sie bekam viele Preise, Frankreichs Poetikpapst Jean-Pierre Rosnay schrieb über sie und nahm sie 1984 in den berühmten französischen „Club de Poète” auf. „Ich war fast schizophren und führte ein inneres Doppelleben zwischen Kunst und Therapie”, erinnert Marie-Dominique Unkel sich.

Anfang der 80er Jahre kam dann die Scheidung von ihrem Mann. Dieser ging zurück nach Amsterdam, Marie-Dominique Unkel „floh”, wie sie sagt, nach London, wo sie vier Jahre lang für eine internationale Kulturzeitschrift schrieb, ihr Englisch verbesserte und Gedichte verfasste. Seit dieser Zeit schreibt sie ihre Gedichte sowohl auf Französisch und Englisch sowie in letzter Zeit auch ab und an in Deutsch - „je nachdem, nach welcher Sprache mir gerade ist”.

Nach dem Englandaufenthalt wollte sie ihre therapeutischen Erfolge auch in Berlin weiterführen, dies gelang nicht. Bei der Verhüllung des Berliner Reichtags durch das Ehepaar Christo lernte sie die Bietigheimer Künstlerin Sybille Proksch kenn.

Diese machte ihr das schwäbische Städtchen schmackhaft, Marie-Dominique Unkel siedelte mit ihrer Praxis vor zehn Jahren um. „Eigentlich wollte ich nicht nach Deutschland ziehen, ich wollte nach Berlin, nun bin ich in Bietigheim gelandet”, sagt sie und fand hier zu einer „zufriedenen Einheit”, wie sie es nennt. „Früher war ich zwei Personen, heute bin ich eine mit zwei Fähigkeiten.”

Seit einiger Zeit lädt sie auch immer wieder Besucher in ihre Praxis zu Lesungen aus ihren Gedichten. Mittlerweile hat sie in Frankreich vier Bücher verlegt, die dort auch durchaus erfolgreich sind. Marie-Dominique Unkel ist in ihrer Heimat bekannt als Lyrikerin. Noch gibt es ihre Gedichte nur auf Englisch oder Französisch, aber die Dichterin hat in Bietigheim eine sprachgewandte Frau und „Wesensverwandte”, so Unkel, gefunden, die ihre Werke ins Deutsche übersetzt. Marie-Dominique Unkel ist sehr zufrieden mit deren Arbeit, denn „sie hat das Wesen meiner Poesie erkannt”. In Kürze soll ein deutscher Gedichtband erscheinen und die Dichterin hofft, dass auch bald Gedichte entstehen, die sie selbst in Deutsch schreibt.

Ihre Lyrik ist in einem kunstvollen Abstraktismus geschrieben, der allgemeingültig und -verständlich ist. Die Verse klingen wie Musik, die Metrik ist melodisch. In ihnen spürt man die Dringlichkeit, die Marie-Dominique Unkel antreibt, Gedichte zu schreiben: „Man kann Poesie nicht erklären, der Mensch wäre nur ein Tier, wenn es keine Poesie gebe”, zitiert sie den Schriftsteller Jean-Pierre Rosnay.

Gabriele Szczegulski

Originalartikel >>